Das Technologie-Karussell dreht sich immer schneller. Neue Hersteller kommen hinzu, Lösungen entwickeln sich weiter und kaum ist ein Ansatz eingeordnet, steht der nächste bereit. Da kann einem durchaus schwindlig werden.
Umso wichtiger ist es, das eigentliche Ziel im Blick zu behalten. Wir müssen nicht jede neue Entwicklung bereits vollständig beherrschen, um die richtigen Fragen zu stellen. Denn vieles von dem, was KI-Agenten benötigen, gehört seit Langem zu den Aufgaben des Identity Management.
Was sich verändert – und was bleibt
Die richtigen Identitäten müssen aus den richtigen Gründen zur richtigen Zeit die passenden Berechtigungen erhalten. Entfällt der Bedarf, müssen diese Rechte wieder entzogen werden. Gleichzeitig muss nachvollziehbar bleiben, welche Identität warum welche Rechte erhalten oder verloren hat.
Auch der Blick auf die Nutzung gehört dazu: Wo meldet sich eine Identität an? Und wo läuft möglicherweise etwas schief?
Diese Ziele bleiben bestehen. Die Landschaft wird allerdings vielfältiger: Neben Menschen und technischen Benutzern müssen wir zunehmend KI-Agenten verwalten. Sie sollen selbstständig handeln, können schnell agieren und dauerhaft aktiv sein. Das erhöht die Anforderungen an ihre Governance.
Bild KI generiertWarum bekannte Prinzipien Orientierung geben
Zugespitzt gesagt: Auch ein KI-Agent ist eine Identität, die wir verwalten müssen. Das macht seine Verwaltung nicht automatisch einfach. Es macht die Aufgabe aber vertrauter.
Unternehmen und Identity-Management-Teams bringen bereits Erfahrung, etablierte Prozesse und fachliches Wissen mit. Wir kennen die grundlegenden Regeln für Identitäten und Berechtigungen. Jetzt müssen wir sie konsequent auf neue Identitätstypen anwenden.
Dazu gehören angepasste Prozesse und geeignete Werkzeuge. Welche spezialisierten Lösungen sich langfristig durchsetzen, ist noch offen. Dass sich unser Werkzeugkasten weiterentwickelt, gehört zur Technologieentwicklung. Die bekannten Prinzipien geben uns dabei eine verlässliche Orientierung.
KI-Agenten bringen neue Anforderungen mit. Aber wir kennen das Handwerk, mit dem wir diese Aufgaben angehen können.
Warum Regeln allein nicht ausreichen
Ein Grundsatz bleibt besonders hilfreich: Wir können nur verwalten, was wir kennen. Deshalb gewinnt technische Discovery bei KI-Agenten an Bedeutung.
Wir können organisatorisch festlegen, dass ein Agent nur nach vorheriger Genehmigung entstehen darf. Daraus folgt allerdings nicht, dass tatsächlich jeder Agent diesen Weg nimmt. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung sorgt schließlich auch nicht dafür, dass sich alle daran halten.
Wir benötigen deshalb technische Möglichkeiten, auch außerhalb geregelter Abläufe entstandene Agenten zu entdecken. Anschließend müssen sie eingeordnet und in geregelte Prozesse überführt werden. Bekannte Governance-Regeln und technische Erkennung ergänzen sich dabei.
Wie wir KI-Agenten in bestehende Prozesse einordnen
Unser Identity Security Process bietet dafür eine Grundlage. In den ersten beiden Stufen betrachten wir die vorhandene Landschaft und ordnen die Identitäten ein. Im Reveal-Schritt unterstützt Discovery dabei, bislang unbekannte KI-Agenten sichtbar zu machen.
Nach der Erkennung müssen wir klären, wofür ein Agent eingesetzt wird, wer verantwortlich ist und welche Berechtigungen er benötigt. Darauf bauen die weiteren Prozessschritte auf: Rechte müssen vergeben, überprüft und bei Wegfall des Bedarfs entzogen werden. Ihre Vergabe und Nutzung müssen nachvollziehbar bleiben.
Dabei prüfen wir, wo Prozesse und Werkzeuge an die Eigenschaften von KI-Agenten angepasst werden müssen. Ihre Geschwindigkeit und ihr dauerhaftes, selbstständiges Handeln stellen zusätzliche Anforderungen an die Kontrolle. Die Zuweisung neuer Aufgaben an menschliche Mitarbeitende geschieht mit überschaubarer Geschwindigkeit. Bei KI-Agenten lässt sich das in Minuten ändern und sie bearbeiten die Aufgaben 24×7. Dazu braucht es schnellere Governance-Prozesse und eine kontinuierliche Überwachung.
Nicht jede neue Frage lässt sich sofort abschließend beantworten. Unser Vorgehen bleibt dennoch klar: kennenlernen, einordnen und die bekannten Prinzipien anwenden. So können wir handeln und neue Erkenntnisse schrittweise einbeziehen.
Fazit
KI-Agenten schaffen konkreten Handlungsbedarf. Gleichzeitig bleibt viel von dem gültig, was wir über Identity Management gelernt haben.
Wir bringen das Wissen mit, um diese Entwicklung anzugehen. Nutzen wir es: mit klaren Prozessen, passenden Werkzeugen und dem Vertrauen in unsere Erfahrung. Auch wenn sich das Karussell schneller dreht, müssen wir unser Handwerk nicht bei jeder Runde neu erfinden.
Info zu Martin
Dr. Martin Dehn beschäftigt sich seit mehr als 25 Jahren mit Identity & Access Management. Seine fachlichen Interessen verbinden Prozesse und Technik. Besonders interessiert ihn auch das Zusammenspiel von Kunden, Anbietern und den unterschiedlichen Fachbereichen, die gemeinsam Identity-Projekte gestalten.